Die zwei Romane von Dana von Suffrin.
Dana von Suffrin ist eine Münchner Autorin und Historikerin, gerade ist ihr zweiter Roman erschienen, er heißt „Nochmal von vorn“. Ich will ihn wärmstens empfehlen, es ist diesmal eine Schwesterngeschichte. Nachdem von Suffrin in ihrem Debüt „Otto“ schon über ihren Vater geschrieben hatte – auf ebenso lustige wie herzergreifend traurige, allerbeste Art.
„Otto“ endet so: „Meine Gedanken waren kein Monument, meine Familie war nicht bedeutend, und meine Geschichte war es nicht. Nichts davon verdiente eine Gedenkstätte. Meine Gedanken waren nur so lange da wie ich, und sie waren Gedanken des Hasses und der Liebe.“
Als Dana von Suffrin jetzt im Literaturhaus „Nochmal von vorn“ vorstellte, meinte sie, Familie sei einfach ein super Thema für Romane. „Sie ist der Ort, an dem wir alle hergestellt werden“, außerdem ein Ort „der uns alle irgendwie beschädigt hat“. Innerhalb von Familien ist Veränderung nicht so leicht möglich, „man kann jeden Einzelnen gut an die Wand fahren“, meinte sie.
Einmal sieht die Erzählerin im neuen Buch, wie ihr Vater weint, gerade ist der Hund gestorben. Sie schreibt: „Es ist in jeder Kindheitsbiografie das Größte, den Vater beim Weinen zu erwischen: Finger, die zittern statt zu strafen und Augen, die nässen, statt zu tadeln. Der Vater wird so klein wie eine Erdbeere, so süß und weich und nass. Man hat Lust, den Vater mit der Fingerspitze anzustupsen, und ist neugierig, ob er sofort zerbirst oder sich in ein rote Lache verwandelt.“
Ich war mit einem Freund bei der Lesung, der kaufte später ein Buch für seine Frau. Die heißt Angelika. Er wollte es signieren lassen. Dann war er dran. Dana von Suffrin schaute ihn an und fragte: „Angelika mit A?“