„Eine Serie von Niederlagen“

Leider bislang nur auf Englisch erhältlich: McNallys Erinnerungen.

Vor kurzem war in der „Süddeutschen“ eine Geschichte über den wahl-amerikanischen Gastronomen Keith McNally. Der in New York eine Reihe von Lokalen betreibt, die sich anscheinend wohltuend unterscheiden von dem, was sich sonst so in der Riesenstadt als Restaurant bezeichnet. McNally, der ein kurvenreiches Leben hinter sich hat, hat jetzt seine Memoiren geschrieben – mit dem lustigen, neugierig machenden Titel „Ich bereue fast alles“. Bislang gibt es die Erinnerungen allerdings nur auf Englisch.

McNally hat, wie die SZ schreibt, der Versuchung widerstanden, sich das, was er erlebt und erlitten hat, in der Rückschau schönzureden. Er lässt auch das Schmerzhafte nicht weg. Erster Satz im Buch: „Anfang 2018 versuchte ich mich umzubringen.“ Nicht jeder kommt gut weg in den folgenden Ausführungen, er selbst jedoch am wenigsten. Die junge Patty Smith soll sich seinem Personal gegenüber nicht immer nett verhalten haben.

Lesen kann man, dass er, gebürtiger Londoner, eigentlich Schauspieler hatte werden wollen. Daraus wurde aber nichts. Als junger Mann trampte er nach Kathmandu, 10.000 Kilometer weit. Nach New York kam er in den 70er Jahren.

Vorangestellt hat er seiner Biographie, die er nach einem Schlaganfall zu Papier brachte, ein Zitat von George Orwell: „Einer Autobiographie ist nur zu trauen, wenn sie auch Schändliches enthüllt. Ein Mensch, der sich selbst gut darstellt, lügt wahrscheinlich, denn jedes Leben ist, von innen betrachtet, nur eine Serie von Niederlagen.“

Übrigens soll McNally, auch das macht ihn sympathisch, in seinen Lokalen Leuten, die allein kommen, einen Champagner aufs Haus spendieren.