Ich bin selbst schon lang ein Riesen-Fan von Listen. Ich mache mir nicht nur Listen für das, was ich erledigen muss. Ich mache mir immer wieder Listen auch, mein Leben betreffend. Immer ermuntere ich auch die Teilnehmer in meinen Kursen, mit Listen die Fülle des Stoffs ihrer Biographie zu fassen – und auch Listen in die Biographie selbst zu integrieren. Es macht Spaß, Listen zu lesen. Und man muss manchmal auch gar nicht mehr schreiben zu einem Thema – als ein Stichwort unter der entsprechenden Rubrik.
Umso mehr hat es mich geradezu entzückt, in der Ausstellung über Susan Sontag, die das Literaturhaus München vor kurzem gezeigt hat, zu sehen, dass auch Susan Sontag ein Listenmensch war. Manche der Listen, die sie beständig geführt hat, wurden in der Ausstellung auch gezeigt. Die Listen sind ziemlich lustig. Unter „Was ich mag“ schrieb die Essayistin, Kulturkritikerin und Regisseurin etwa auf: „Feuer, Venedig, Tequila, Sonnenuntergänge, Babys, Stummfilme, Höhen, grobes Salz, den Geruch frisch gemähten Grases, Wasser trinken, Ahornzucker, Pizza, Ledergürtel“, dann eben auch noch: „Listen aufsetzen“.
Was sie nicht mochte: „Allein in einer Wohnung schlafen, kaltes Wetter, Paare, Schnauzbärte, den Geschmack von Lakritze, mir die Haare waschen, eine Armbanduhr tragen, Zigarren, Robert Frost, einen Vortrag halten“.
Wiederum mochte sie es, Rechnungen zu bezahlen und beim Eislauf zuzusehen, sie stellte gern Fragen, sie mochte Büromöbel und Juden, Taschenmesser und Hände.
Genau so müssen Listen sein, sie müssen den Leser und einen selbst querfeldein durchs Leben führen.
Themen für Listen, das eigene Leben betreffend, gibt es ja wie Sand am Meer.
Susan Sontag hatte früh den Vater verloren, sie heiratete dann ihren Soziologie-Professor und wurde mit 19 schon Mutter eines Sohns. Sie erkrankte mit Anfang 40 an Krebs und hat über Jahrzehnte der Krankheit unglaublich tapfer getrotzt. Von ihr stammt der Satz: „Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke.“ Die Ausstellung im Literaturhaus war überschrieben mit „everything matters“, Susan Sontag hatte sich ja mal vorgenommen: „Ich werde mich voll und ganz auf alles einlassen … alles ist wichtig.“ Eine Weile reduzierte sie das Schlafen auf ein Minimum, um mehr lesen und schreiben zu können. Gestorben ist die große europäische und amerikanische Intellektuelle 2004 – im Alter von 71 Jahren.
Das Foto zeigt den Computer von Susan Sontag, beklebt mit lauter Post-its, auf denen sie Bedienungs-Hinweise notiert hatte.