Der „Unpaarste der Unpaaren“

Illies Buch über Caspar David Friedrich. Das Cover zeigt einen Ausschnitt des Gemäldes "Auf dem Segler", laut Illies das innigste Bild des Malers, das 1820 vom russischen Zar erworben wurde.

Heuer ist Caspar David Friedrich-Jahr, der romantischste Romantiker unter den Künstlern wurde vor 300 Jahren geboren. 1774. Er starb 1840, acht Jahre vor der Revolution, 31 Jahre vor der Reichsgründung. Florian Illies hat über ihn ein schönes Buch geschrieben, es heißt „Zauber der Stille“. Gegliedert ist es nach den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, das Leben des Malers wird nicht chronologisch erzählt. Was attraktiv ist.

Friedrich hat seine Landschaften, erfährt man, zusammengesetzt nach eigenem Gutdünken, aus den üblichen Bestandteilen Bäume, Berge, Felsen, Meer. Am meisten Hingabe ließ er immer dem Himmel zuteil werden, wenn er einen Himmel malte, ließ seinen Frau niemanden zu ihm ins Atelier. Sie sagte Besuchern: „Jetzt malt er gerade die Luft, jetzt darf man ihn nicht stören, denn wissen Sie, Himmelmalen ist für ihn wie Gottesdienst.“

Friedrich züchtete Kanarienvögel, Menschen von vorn zu malen, war nicht seine Stärke. Er war ein „Spargeltarzan mit rotem Backenbart und schleppendem Gang“. Eins der Dramen seines Lebens war gewesen, dass er, Sohn eines Seifensieders und Kerzenziehers, 1787 beim Spielen ins Eiswasser gefallen, von seinem Bruder gerettet worden war. Der Bruder starb aber kurz drauf an Herzversagen. Studiert hat Caspar David Friedrich, geboren in Greifswald, an der Akademie in Kopenhagen, ab 1798 lebte er in Dresden.

1798, Friedrich ist grad wieder mal unglücklich verliebt, schreibt er seinem Vertrauten, dem Maler Johan Ludvig Lund, nach Paris: „Vor einiger Zeit kam ich auf einen dollen Einfall, ich wollte nämlich wissen, ob’s wohl möglich wäre, wenn ich mich recht herzhaft in mein Bette würfe, durch und durch zu fallen. … Ich probierte es und glücklich brach ich durch.“

Er versuchte immer wieder, Goethe zu kontaktieren, aber der Geheimrat stellte sich taub. Friedrich war im Gegensatz zu Goethe, dem er auch mal zwei Zeichnungen geschickt hat, Napoleon-Hasser.

Illies findet, das vielleicht kühnste Bild von Friedrich sei der „Mönch am Meer“, 1810 entstanden. Friedrich hat das Gemälde ständig überarbeitet, hatte erst Boote reingemalt, die dann wieder übermalt, am Ende übrig blieben nur der Mönch, das Meer und 19 Möwen. Goethe, der sich dann doch mal bequemt hatte, ihn zu besuchen, konnte damit nicht viel anfangen. Heinrich von Kleist dagegen war von dem Bild begeistert. Er schrieb, es sei, wenn man den Mönch ansieht, „als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären“. Der preußische König kaufte das Bild für seinen Sohn Friedrich Wilhelm – um den zu trösten nach dem Tod der Mama.

Caspar David Friedrich arbeitete immer im abgedunkelten Atelier, er war, meinte ein Freund, der „Unpaarste der Unpaaren“, das Gegenteil eines geselligen Menschen. Er ging gern spazieren, immer in der Dämmerung. 1818 heiratete er aber doch, er sagte: „Ihr nennt mich Menschenfeind, weil ich Gesellschaft meide. Ihr irrt Euch, ich liebe sie. Doch um die Menschen nicht zu hassen, muss ich den Umgang unterlassen.“

Er schrieb schöne Briefe, 1815 schrieb er der jungen Malerin Louise Seidler, die ihm Süßkram geschickt hatte: „Eben stecke ich ein Stückchen davon in den Mund. … Ganze drei Monate hat sich der Eisbär, dessen Sie sich so gütig erinnern, an der Küste der Ostsee herumgetrieben und zu öftern sich in die grünlichen Fluten getaucht. Und hat gesehen Seehunde ihr nasses Haupt aus den Wellen erheben und wieder in die Tiefe zurückkehren. Und habe gesehen der Kreaturen des Meeres gar mancherlei Art, wie sie leben und wie sie gelebt haben vor Jahrtausenden und zu Stein geworden sind. Und habe gehöret der Möwen klagendes Geschrei, schwebend über den empörten Fluten und sich hinab stürzen sehen in die Tiefe ihre Nahrung zu suchen. Und habe gesehen, das Schönste, was je Menschenwitz hervorgebracht: Schiffe mit schwellenden Segeln.“

1816 erteilt er Goethe, der ihn gebeten hatte, für ihn Wolkenformationen zu malen, eine Abfuhr: „Nein. Das ist nicht meine Auffassung von Kunst.“

1924 bekam er nur einen Posten als unordentlicher Professor an der Akademie in Dresden, die Professur für Landschaftsmalerei, die ihm zugestanden hätte, kriegte er nicht. Illies: „Sie haben Angst, dass er damit die Jugend verdirbt, darum geben sie ihm den Posten nicht, diese Idioten.“

Nach seinem Tod 1840 wurde Friedrich erstmal vergessen. Er hatte alle Briefe, die er bekommen hatte, verbrannt. 1901 brannte es dann auch noch in seinem Geburtshaus in Greifswald. Das Anwesen ist heute restauriert und Sitz des Caspar David Friedrich-Zentrums.