Sebastian Haffner ist nicht als Romanautor bekannt geworden, sondern mit seinen politischen Essays und Sachbüchern. Letztes Jahr hat der Hanser-Verlag doch einen Roman von ihm herausgebracht, die Erben hatten das Manuskript zufällig entdeckt. Und untereinander lang diskutiert, ob es veröffentlicht werden sollte – oder eben nicht. Sie haben sich Gott sei Dank dafür entschieden – „Abschied“, eine Liebesgeschichte voller Melancholie, die im Herbst 1932 in Paris spielt, ist einfach umwerfend. Sowohl vom Inhalt als auch von der Sprache her.
Dabei dreht sich eigentlich alles um Teddy, eine österreichische junge Frau, die früh vor den Nazis gewarnt hat, der schon Jetzt die Ruhelosigkeit der künftigen Exilantin zu eigen ist. In sie ist praktisch ihr ganzes Umfeld verliebt, auch der Ich-Erzähler, Raimund Pretzel – der damit heißt, wie Haffner eigentlich geheißen hatte. Dabei legt sich Teddy auf keinen ihrer Verehrer fest, sie ist eine Meisterin darin, Beziehungen in der Schwebe zu halten.
„Abschied“ fängt so an: „Der Sonnabend war ein unseliger Tag. Ich war mit Teddy böse, und damit nicht genug,Teddy war mit mir böse. Übrigens waren, glaube ich, auch alle anderen mit mir böse, Fräulein Gault, Horriwtz, der Bayern natürlich, sogar Franz, dem ich eigentlich nichts getan hatte. Franz kam nachmittags zwischen vier und fünf zu mir, als ich in der Dämmerung recht kaputt und hinfällig auf meinem Zimmer saß und vor mich hindöste. Es klopfte und ich sagte: ,Herein‘, und dachte: Teddy, und: Alles wird noch gut – es war aber Franz.“
Haffner, aufgewachsen in einem jüdischen Elternhaus in Berlin, hatte Jura studiert und ist 1938 nach Großbritannien emigriert. Ich habe von ihm dann auch gleich noch seine „Geschichte eines Deutschen“ gelesen, auch eine sehr empfehlenswerte Lektüre, man versteht, wie der aufkommende Nationalsozialismus von Anfang die Gesellschaft zersetzte – was kaum ein Freundeskreis überleben konnte.