Daniel Schreiber ist ein Vielschreiber, ein Autor, der wie der Franzose Didier Eribon gesellschaftliche Entwicklungen anhand eigener, persönlicher Geschichten nachvollzieht. Allerdings hat er so schnell hintereinander einige Bücher vorgelegt, dass zwangsläufig das, was er schrieb, immer ein weniger flüchtiger wurde. Und an Tiefe verlor.
Sehr gern hab ich von ihm noch „Zuhause“ und „Allein“ gelesen – Bücher, die darum gehen, wie man es schafft, nicht abzusaufen, auch wenn man keine Beziehung hat und alleine wohnt. Schreiber schreibt, er findet, dass Freunde mindestens so wichtig sein können im Leben eines Menschen wie eine Familie. Manchmal sogar wichtiger.
In „Zuhause“ zitiert er unter anderem William Faulkner, der sagte: „Das Vergangene ist niemals tot, es ist noch nicht einmal vergangen.“ Schreiber selbst spricht von einem „Sog des Vergangenen“, er hat erfahren: „Die Geister der Vergangenheit holen einen in der Regel erst später im Leben ein.“ Auch deshalb, um genau diese Geister zu bannen, schreibt man ja seine Biographie.
Außerdem meint Daniel Schreiber: „Die Geschichten, die wir über uns und unser Leben erzählen, haben alle keinen Anfang und kein Ende, sie reichen viel weiter in die eigene Biographie hinein, als man es sich vorstellen kann. Bei genauerer Betrachtung stellt sich häufig heraus, dass man gar nicht selbst derjenige ist, der die Anfänge und die Enden wählt, sondern dass man umgekehrt von ihnen gewählt wird. Dass man gar nicht so viel Einfluss darauf hat, welche Geschichten man sich selbst und anderen über sich erzählt.“
Eins seiner letzten Bücher geht über die Kunst des Liebens, es heißt schlicht „lieben“. Ich habe es mal angelesen bei einer Buchmesse, und ich sah keinen Anlass, es mir zu kaufen.