Am 30. April 2024 ist der amerikanische Autor Paul Auster gestorben, er hatte Lungenkrebs gehabt, er hatte eineinhalb Jahre lang gegen die Erkrankung gekämpft. Erst schien es, als wäre der Krebs besiegt gewesen, dann kehrte die Krankheit zurück – und war am Ende stärker als Auster. Jetzt hat seine Frau, die Schriftstellerin Siri Hustvedt, ein Buch über die schwere Zeit geschrieben, es heißt „Ghost Stories“.
Hustvedt berichtet von den Hoffnungen, den Phasen der Verzweiflung, die mit Austers Erkrankung einhergingen. Sie schreibt über die große Liebe, die die beiden verbunden hat. Sie erzählt, wie sie Auster kennenlernte, wie alles anfing zwischen ihnen, gleich nach einer ersten Nacht hinterließ er ihr in der Wohnung einen unheimlich liebevollen Zettel, den sie zitiert.
Sie zitiert im Buch ebenso aus dem eigenen Tagebuch, und sie druckt die Briefe ab, die Paul Auster in den letzten Monaten seines Lebens an den gerade geborenen Enkel geschrieben hat, die er eigentlich selbst noch zum Buch hatte machen wollen. Dazu kam es dann aber nicht mehr. Er berichtet dem Enkel in den Briefen von seiner Familie – und von der von Siri. Wie man weiß aus seinen Romanen, hatte Paul Austers Großmutter seinen Großvater erschossen.
Eigentlich ist das Buch genau das vor allem: die Geschichte einer großen Liebe. Beide haben immer sehr viel gearbeitet, digital war er nur am Rande bewandert. Emails, die er bekam, ließ er von einer Sekretärin bearbeiten, die wichtigsten Schreiben wurden ihm dann ausgedruckt und gefast. Wenn er was googeln wollte, musste er Siri bitten, das für ihn zu tun. Irgendwann hatte sie keine Lust mehr und richtete ihm ein Tablet ein, das er dann auch nutzte.
Er hatte zu ihr gesagt, schon schwerst krank, er wolle als Geist wiederkehren – daher der Buchtitel. Über den Verlust, der Pauls Tod bedeutet für sie, schreibt Siri Hustvedt: „Was ich mir nicht vorstellte, war, dass die Zeit nach Pauls Tod bis zur Unkenntlichkeit durcheinandergeraten würde. Ich erinnere mich und vergesse wieder, welcher Tag es ist. Ich erinnere mich, dass Mai ist, und vergesse es. Die Stunden überschlagen sich…“