„Es ist mir egal, was geschieht“

Wer dazu neigt, sich immer wieder zuviel Arbeit aufzuhalsen, sich einfach zuviel vorzunehmen – um dann ja eh nicht alles zu schaffen, dem lege ich dringend die Lektüre „4000 Wochen. Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement“ ans Herz. Ich hab das Buch selbst mit Gewinn und mit Vergnügen gelesen, der Autor ist Engländer, Oliver Burkeman, und weder besonders sendungsbewusst noch schreibt er irgendwie besserwisserisch oder schwurbelnd.

Das Buch ist einfach ein Plädoyer dafür, sich zum einen nicht so wichtig zu nehmen, zum anderen nie die Kürze der Zeit, die uns zur Verfügung steht, aus dem Blick zu verlieren. Es sind ja eben im Schnitt nur 4000 Wochen.

Burkeman sagt: Perfekt sind wir eh nicht, wir können nur unser Bestes geben, aber wir sollten uns dabei nicht überheben. Was mir vor allem gefällt, ist, dass man aufhören soll damit, etwas zu tun, um damit etwas anderes zu erreichen. Dieses „um … zu…“ – man kann es eigentlich vergessen. Weil es einen wegträgt vom jeweiligen Moment. „Unsere Besessenheit, aus unserer Zeit den größten Wert für die Zukunft herauszuschlagen, macht uns blind für die Realität, dass der Augenblick der Wahrheit in Wirklichkeit immer jetzt ist – dass das Leben nichts ist als eine Abfolge gegenwärtiger Momente, die aus den Tod hinauslaufen…“ Er schreibt: „Ganz gleich, wie weit man imVoraus plant, man kann sich nie in der Gewissheit entspannen, dass alles so laufen wird, wie man es gern hätte.“ Und: „Das Streben nach Kontrolle über die Zukunft ist ein deutliches Beispiel dafür, wie wir uns weigern, unsere natürlichen Grenzen zu akzeptieren, wenn es um die Zeit geht, denn es ist ein Kampf, den der Besorgte offensichtlich nicht gewinnen kann.“

Eine meiner Lieblingspassagen im Buch ist die, in der Burkeman den indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti zitiert, der mal sagte in einem Vortrag: „Wollt ihr wissen, was mein Geheimnis ist? Wisst ihr, es ist mir egal, was geschieht.“ Damit meinte er nicht, dass er völlig wurschtig der Welt gegenübersteht. Sondern er steht ihr gegenüber, so interpretiere ich das, im demütigen Wissen, dass es nicht in seiner Macht steht, den Gang der Dinge zu ändern. Man hat nur begrenzt Einfluss aufs Leben, das muss man sich auch mal eingestehen.

Wer eine Schaffenskrise hat, wer vielleicht steckengeblieben ist beim Schreiben der eigenen Biographie – der liest zur Entspannung mal dieses Buch.